Faustball im Wandel der Zeiten

Datum: 06.03.12

In meinem „Handbuch des Sports“, die Ausgabe erschien 1932, lese ich:

„Faustball, ein Ballspiel, das von 2 Parteien gespielt wird. Der Spielplatz ist 50m lang und 20m breit. In der Mitte wird eine Leine 2m hoch aufgespannt. Der Spielball ist ein mit einer Gummiblase versehener Lederball. Die Spieler schlagen mit der Faust den Ball über die Leine. Jeder Ball, der über die Leine geht, zählt als Punkt. Der Ball darf jedoch nur zweimal hintereinander den Boden berühren, auch darf er von einem Spieler nur einmal geschlagen werden. Fehler zählen als Punkte für die Gegenseite.“

Und heute, nahezu 80 Jahre später? Faustball hat sich zu einer unheimlich dynamischen Sportart entwickelt. Das Regelwerk wurde vereinheitlicht. Führend bei der Realisierung waren die 3 großen europäischen Verbände: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wohin sich der Faustball entwickelt hat, zeigt folgendes kleines Beispiel: So wurde bei einer Geschwindigkeitsmessung auf der ISPO in München schon in den 80-er Jahren vom damaligen Rekordnationalspieler der BRD, Dieter Thomas, ein Faustball mit der bloßen Faust auf 144 km/h beschleunigt.

Und wer die 13. Weltmeisterschaften in diesem Jahr in Österreich erlebt hat, kann  nur noch in Superlativen vom Faustball schwärmen. Kraft, Ausdauer und Disziplin sind wichtig – aber auch die Koordination und das nötige Ballgefühl. Den Ball bei verschiedenen Geschwindigkeiten mit der Faust zu schlagen oder auf dem Unterarm genau zu platzieren, es ist immer wieder eine Herausforderung. Leider ist der Bekanntheitsgrad des Faustballs nicht allzu hoch.

Denn wer weiß schon, dass:

-       Deutschland der amtierende Weltmeister bei den Herren ist;

-       Deutschland amtierender U18-Weltmeister im weiblichen und männlichen Bereich ist;

-      der Faustball von über 30.000 Aktiven im Alter von 6 bis über 70 Jahren in Deutschland gespielt wird;

-   knapp 100 Bundesligateams in 2 Bundesligen wöchentlich in einer Feld- und einer Hallensaison um die Punkte kämpfen und dabei toller und begeisternder Sport geboten wird;

-       Faustball eine World-Games-Sportart ist;

-   Faustball ein ideales Rückschlagspiel für den Schulsport darstellt und dabei mit modifizierten Regeln vor allem in 2er- & 3er-Mannschaften gespielt werden kann;

-       die Deutsche Faustball-Liga die Interessen aller deutschen Faustballer vertritt;

-       Faustball, ob in der Halle oder auf dem Rasen, jede Menge Spaß macht;

-       im Internationalen Faustball-Verband 20 Verbände eine Vollmitgliedschaft besitzen und zu 14 Partnerländern intensive Kontakte bestehen.

Doch wie ist es in Sachsen-Anhalt um den Faustball bestellt? Ganz offen gesagt, leider nicht allzu rosig. Zahlreiche Vereine haben nach der Wende 1990 aus unterschiedlichen Gründen ihre Faustballmannschaften zurückgezogen und die Nachwuchsarbeit eingestellt. Faustballabteilungen gibt es heute  beim MSV Eisleben, dem LV Stendal, der SG Chemie Zeitz, dem SSV Blau-Weiß 04 Barby, dem MSV Buna-Schkopau, dem SV Salzland Staßfurt, dem SV Tornitz-Werkleitz, der TSG Roßla, dem TSV Benndorf, der SG Buna Halle und dem TSV Leuna. Der SV Stahl Thale hat leider seine Mitgliedschaft im Landesturnverband 2006 gekündigt. In den 11 zum LTV/S-A gehörigen Vereinen wird jedoch nur in 2 Abteilungen durch engagierte Übungsleiter eine gezielte Nachwuchsarbeit betrieben. Im Erwachsenenbereich beschränkt sich alles auf 8 Mannschaften aus 7 Vereinen, die in der Verbandsliga ihre Wettkämpfe bestreiten und den Landesmeister ermitteln.

Die Männermannschaften vom MSV Buna-Schkopau und dem SSV Blau-Weiß Barby sowie die Frauenmannschaft der SG Chemie Zeitz gaben mehrere Jahre eine Stippvisite in der 2. Bundesliga ab.

Die Leuchttürme hinsichtlich der Quantität aber auch der Qualität stehen beim MSV Buna–Merseburg und der SG Chemie Zeitz. Merseburg steht dabei mit 8 Mannschaften im Wettkampfbetrieb während es in Zeitz 6 Teams sind, die sich in der diesjährigen Hallensaison bewähren sollen. Besonders erfreulich dabei ist, dass Merseburg als Spielgemeinschaft mit dem TSV Leuna 5 und Zeitz ebenfalls 5 Mannschaften im Nachwuchs ins Rennen der jetzt beginnenden Hallensaison schicken. Im Nachwuchsbereich sucht das Technische Komitee Faustball ständig nach neuen Wegen, um die Spielqualität in Sachsen-Anhalt weiter zu erhöhen. So nehmen die genannten Nachwuchsmannschaften seit 2 Jahren am Wettkampfbetrieb im Freistaat Sachsen teil. Höhepunkt für den gesamten Nachwuchsbereich in Deutschland ist der jährlich zum Abschluss der Feldsaison ausgetragene „Kleine Deutschlandpokal“, einem Wettkampf für weibliche und männliche U14- und U18- Auswahlteams, die aus Aktiven mindestens zweier Vereine formiert werden müssen. Wir waren in Sachsen-Anhalt auf Grund der genannten Bedingungen in den letzten Jahren gar nicht in der Lage in allen 4 Altersklassen eine Auswahl aufzubieten und erscheinen deswegen auch nie in der Gesamtwertung dieses Wettbewerbs. Aber auch die uns zur Verfügung stehenden Finanzmittel verhinderten in der Vergangenheit oft einen Start zu diesem Pokal. In diesem Jahr haben wir unserem Nachwuchs eine Teilnahme in 3 Altersklassen dank der finanziellen Unterstützung des „Freundes- und Förderkreis Faustball e.V.“ und des „Vereins zur Förderung des Turnens in Sachsen-Anhalt e.V.“ ermöglichen können. Die Aktiven und Betreuer möchten sich an dieser Stelle ganz herzlich bei beiden Vereinen bedanken. Unser Nachwuchs kann bei diesen Veranstaltungen immer wieder nur von den Bayern, den Niedersachsen, den Badensern, den Schwaben und den Schleswig-Holsteinern lernen. Für Platzierungen an der Spitze reichen die Leistungen leider nicht. Einen Lichtblick hinterließen allerdings die Mädels der U12 des MSV Buna–Schkopau / TSV Leuna bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr in Kellinghusen. 18 Mannschaften hatten sich für das Finale qualifiziert und für die „Bunesen“ sprang ein beachtlicher 9. Platz in der Endabrechnung heraus.

Besonders motiviert wird unser jüngster Nachwuchs in den Sommerferien. Es wird jeweils ein Sommerlager an unterschiedlichen Orten organisiert. Hier dominieren dann 4-5 Tage Sport, Spiel und Spaß. Macher dieser Veranstaltungen gab es dabei in Barby, Merseburg/Leuna und Zeitz und ein ganz tolles Sommerlager wurde bei bayrischen Faustballfreunden in Hallerstein ausgetragen. In diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön den Organisatoren und Helfern.

Dass der Faustball der Männer und Frauen aber in Sachsen-Anhalt noch nicht ganz ruht, beweisen Traditionsturniere, wie das Wiesenturnier in Eisleben, das Pflaumenkuchenturnier in Tornitz, das Maiturnier in Benndorf, das Flutlichtturnier und das „Kurt-Hering-Gedenkturnier“ in Zeitz und das in 2 Hallen ausgetragene Turnier des MSV Buna–Schkopau, in dem jedes Jahr Mannschaften aus unserem Land und den angrenzenden Bundesländern, aber auch Gäste aus der Schweiz und aus Österreich ihr Können demonstrieren.

Ehrensache für unsere stärksten Vereine ist aber auch die Ausrichtung von Regionalen bzw. Deutschen Meisterschaften. Hier gab es ansprechende Veranstaltungen in Barby, Merseburg und Zeitz.

Welche Schwerpunkte stellt sich das TK Faustball für die nächsten Jahre?

-       Stärkung der DFBL durch Mitgliedergewinnung

-   Gewinnung von Übungsleitern für den Nachwuchsbereich und deren kontinuierliche Weiterbildung

-      Verstärkte Werbung für den Faustballsport in den Schulen, z. B. durch die Bildung von Schularbeitsgemeinschaften

-  Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Fachausschüssen der benachbarten Bundesländer

Und will sich jemand mal über das Niveau des Faustballs informieren, dann laden die Benndorfer Faustballer schon heute herzlich zu den Landesmeisterschaften in der Halle am 29. Januar 2012 ganz herzlich ein.

Wolfgang Ehrlich

TK Vorsitzender Faustball

(Aktive Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Beitrages fand ich bei Horst Jung -TSV Leuna.)