Lapano zum Zweiten

Datum: 22.03.09

- Deutsche Bestenkämpfe im Nachtorientierungslauf am 28.02.2009 -

Lapano. Wo liegt das eigentlich? Der Name klingt nach sehr weit östlich. Vielleicht findet die diesjährige Nachtmeisterschaft in einem japanischen Landschaftspark statt? Doch weit gefehlt. Das Laufgebiet liegt im tiefsten Westen Deutschlands, am Rande von Duisburg.

Lapano ist die wenigsagende Abkürzung für Landschaftspark Nord. Dahinter verbirgt sich ein Programm von regionaler Dimension und der Lapano ist ein Beleg dafür: Strukturwandel im Ruhrgebiet; der Umbau einer ganzen Region, die lange Zeit vom Kohlebergbau und der Schwerindustrie geprägt wurde.

Der Landschaftspark liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenhütte und wird geprägt von alten Industriebauten, Förderanlagen, Resten der Betriebsbahn und Halden. Das Laufgebiet ist Industrie- und Freilichtmuseum, sowie Naherholungsgebiet in Einem.

Im engeren Bereich der Industrieanlagen prägen gepflasterte Straßen, Wege und Plätze, enge Durchlässe, Treppen, Laufstege, kleine Rasenflächen und Blumenrabatten das Laufgebiet. Nachts werden die Industrieanlagen in fahlen Grün-, Blau- und Rottönen unwirklich angestrahlt. Fast ein mystisches Erscheinungsbild, welches uns zum Start empfing. Wer Assoziationen wie bei Filmen „Stalker“ oder „Terminator“ hat, dürfte so ziemlich richtig liegen.

Hier findet Orientierungslauf gewissermaßen auf drei Ebenen statt und eine kleine Fehlinterpretation der Karte oder ein kleiner Parallelfehler können fatale zeitliche Folgen haben, wie der Autor selbst erleben durfte. Es kann durchaus passieren, dass man nach seiner Laufkarte vermeintlich am richtigen Ort angekommen scheint, der Kontrollpunkt aber unüberwindbare zehn Meter tiefer gesichtet wird. Da hilft nur eines: So schnell wie möglich die nächste Treppe oder Stiege wieder herunter und die 200 Meter um die Industrieanlage unten herumsprinten.

Jenseits der Industrieanlagen bestimmen vor allem renaturierte Halden, Reste alter Förder- und Bahnanlagen, Kanäle und verwilderte Bracheflächen die Anforderungen an den Läufer. Einerseits ist schnelles Laufen möglich, also ein typisches Gebiet für die Sprinter unter den Orientierungsläufern, andererseits ist akkurates Kartelesen erforderlich, um nicht plötzlich vor einem unpassierbaren Hindernis wie einem breiten versumpften Wassergraben oder einem Brombeerfeld mit nahezu armstarken über zwei Meter hohen Ranken zu stehen. Vor letzteren warnte uns der Veranstalter eindringlich, indem er uns im Wettkampfzentrum einige imposante Muster präsentierte.

Auch ein weiterer Hinweis hörte sich für einen Orientierungsläufer skurril an, war aber ebenfalls sehr hilfreich. Lasst den Kompass in der Tasche. Es ist soviel Eisen im und über dem Boden, dass die Missweisungen erheblich sein können – bis zu 180 Grad – und diese je nach Position zu den Objekten auch noch schwanken können.

Wie schrieb doch der Veranstalter in der Einladung? Das Gelände bietet auf der kleinen Fläche (ca. 1,5qkm) manche Überraschung!

Kurz vor dem Start sprach mich einer der Organisatoren an und fragte, ob ich im Vorjahr schon einmal dort gelaufen sei und, als ich verneinte, äußerte, du wirst überrascht sein, das ist ein ganz schräges Gelände.

Nun, er hatte recht und wir erlebten einen wirklich ungewöhnlichen herausfordernden Wettkampf der besonderen Art, wie wir ihn selten absolvieren können.

Wie bereits im Jahr 2008 beim Sprintlauf zur Deutschen Parktour am 13. April kam Karin Schmalfeld vom BSV Halle-Ammendorf bestens mit den Bedingungen von Gelände und Karte zurecht und siegte in der Damen Elite über die 7,3 km Luftlinie mit 26 Kontrollposten in hervorragenden 57:01 Minuten. Sie verwies damit Maike Brandt (TU Ilmenau, 69:46) und Jennifer Warg (Skizunft Wiesbaden, 73:06) ungefährdet auf die Plätze.

Aus Sachsen-Anhalt starteten noch zwei weiter Läufer, beide ebenfalls vom BSV Halle-Ammendorf, welche allerdings nicht an das Ergebnis von Karin Schmalfeld anknüpfen konnten. Andriy Nedoborovsky belegte in der Meisterschaftswertung bei den Herren 35 (Luftlinie 8,0 km, 27 Posten) den 7. Platz (total 8. in der Altersklasse) und Jan Kaminsky bei den Herren 45 (Luftlinie 7,0 km, 25 Posten) den 4. Platz (total 6. in der Altersklasse).

Wir gratulieren Karin Schmalfeld zum Sieg und sind überzeugt, dass es in diesem Terrain bald heißen wird: Willkommen im Lapano zum Dritten!

22.03.2009

Jan Kaminsky