Ilona Kohlberg gibt symbolisch Staffelstab an Manuela Dietz

Nach über 18jähriger Tätigkeit im Jahn-Museum Freyburg sagt Ilona Kohlberg „Auf Wiedersehen“.

Auf persönlichen Wunsch und aus gesundheitlichen Gründen gibt Ilona Kohlberg ihre über einen sehr langen Zeitraum liebgewordene Tätigkeit auf. Es war für sie nicht nur Dienst, sondern sie erfüllte die Aufgaben als Leiterin des Museums und darüber hinaus als Geschäftsführerin der Jahn-Gesellschaft mit viel Enthusiasmus und Engagement. Den aktiven Turnerinnen und Turnern war sie als verlässliche Partnerin bei der Vorbereitung und Durchführung der Jahnturnfest ein Begriff und immereine große Hilfe. Sie legt die Verantwortung jetzt in die Hände einer jungen Nachfolgerin, der wir alles Gute für diese Tätigkeit wünschen. Ilona Kohlberg wünschen die Turnerinnen und Turner aus ganz Sachsen-Anhalt alles Gute und vor allem  viel Gesundheit für die Zeit, die jetzt kommen wird und ihre privaten Vorhaben. Natürlich würden wir uns freuen,

wenn wir sie bei den nächsten Jahnturnfesten in Freyburg als Gast weiterhin begrüßen könnten.

Präsidium der Jahn-Gesellschaft tagte am 16./17. März 2012

Mit Freude über die nun erreichte finanzielle Sicherung des Jahnmuseums bis Ende 2015 durch das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Freyburg wurden grundlegende Beschlüsse zum Museumsbetrieb, zur personellen Ausstattung und zu den Projekten der Jahn-Gesellschaft in den Jahren 2012/2013 gefasst.

  • Der Haushaltsplan 2012 wurde unter besonderer Berücksichtigung des Finanzierungs- und Kostenplans für das Museum einstimmig beschlossen.
  • Die Tätigkeitsschwerpunkte der Leiterin des Museums und ihrer Mitarbeiterinnen sollen neu fixiert werden, damit die Arbeiten am Fundus, an den Archivalien und der Bibliothek effektiver gestaltet werden können.
  • Nach der Zusage der Stadt Freyburg wird nun auch das Projekt: „Jahn-Touristenweg Freyburg“ realisiert. Im Rahmen des Projekts, dessen Finanzierung noch zu sichern ist, werden fünf Informationstafeln angefertigt, die auf den Lebensweg Jahns und seine Bedeutung für die deutsche Turnbewegung hinweisen.
  •  Vom 17.-19.8.2012 organisiert der Landesturnverband das 90. Jahn-Turnfest.   Im Rahmen des Turnfestes werden eine Festveranstaltung und ein „Schauturnen der Ehemaligen“ stattfinden.  Aus dem gleichen Anlass wird von  Dr. Müller (Universität Halle-Wittenberg) eine Sonderausstellung  vorbereitet.  Der Heimatverein (Vorsitzender: Martin Bertling) wird die Freyburger Bürger aufrufen, dafür alte Fotos und Dokumente zur Verfügung zu stellen.
  • Im Jahr 2013 wird ein Symposium zum Themenkomplex: „Die Hasenheide als Beginn der modernen Vereinsbewegung“ durchgeführt werden.

Beraten wurden auch erste Vorstellungen zu einem längerfristigen Vorhaben, Freyburg als Zentrum für die Geschichte der deutschen Turnbewegung zu entwickeln.

Präsident Hansgeorg Kling würdigte das 20-jährige Jubiläum des Fördervereins/der Jahn-Gesellschaft und dankte allen, die sich in den vergangenen Jahren für die Ideen, Ziele und Aufgaben eingesetzt  haben.

Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum

Innenminister Holger Stahlknecht und Präsident Hansgeorg Kling unterzeichnen Zuwendungsvertrag

Seit fast zwei Jahren verhandelte die Jahn-Gesellschaft auch mit Unterstützung des Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes, Rainer Brechtken, mit den entsprechenden Ministerien des Landes Sachsen-Anhalt, um den Bestand des Friedrich-Ludwig-Jahn-Museums zu sichern. Nun wurde endlich der Durchbruch geschafft.

Am 1. März 2012 besuchte der Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, das Jahnmuseum, um den Zuwendungsvertrag zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e.V. zu unterzeichnen.

Der Vertrag wird in dem Bestreben geschlossen, „um den Fortbestand des Jahnmuseums auf eine gesicherte Grundlage zu stellen. Dies geschieht in dem Bewusstsein, das Andenken an eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Geschichte, an Friedrich Ludwig Jahn, zu bewahren… Die Förderung erfolgt mit dem Ziel, die museale, sportpädagogische und wissenschaftliche Arbeit, die Präsentation der Sammlung sowie deren konservatorische Betreuung im Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum zu sichern.“ Der Vertrag hat eine Laufzeit bis zum 31.12.2015.

Der Minister informierte sich ausführlich über die Aktivitäten der Jahn-Gesellschaft und zeigte sich sehr interessiert an der Ständigen Ausstellung über Leben und Wirken Jahns.

Er bedankte sich bei Hansgeorg Kling und seinem Präsidium für die engagierte ehrenamtliche Tätigkeit und schrieb folgendes in das Gästebuch:

„Mein Dank gilt insbesondere denjenigen, die mit Leidenschaft und Herzblut dieses Museum gestalten und unterhalten“.

Hansgeorg Kling versicherte in seinen Dankesworten, dass die Jahn-Gesellschaft, auch mit Unterstützung durch die Stadt, die weiterhin einen Betriebskostenzuschuss gewährt, die Aufgaben des Jahnmuseums im Sinne des Satzungszwecks der Jahn-Gesellschaft bestmöglich erfüllen wird.

Ganz im Zeichen von 200 Jahre Turnen

„200 Jahre Turnbewegung – 200 Jahre soziale Verantwortung“, dieses Motto prägte die verschiedenen Veranstaltungen am Vortag des 89. Jahn-Turnfestes in Freyburg/Unstrut am dritten August-Wochenende. So würdigte auf der Terrasse des Jahn-Museums Hansgeorg Kling, der  Präsident der Jahn-Gesellschaft, bei der Ehrung am Grab das politische Wirken Friedrich Ludwig Jahns. Gudrun Steinbach, die Präsidentin des Landesturnverbandes Sachsen-Anhalt rückte in ihrer Ansprache bei der feierlichen Kranzniederlegung an der Erinnerungsturnhalle das Turnen selbst und seine heutige Ausprägung in den Mittelpunkt.

Im Eröffnungsteil der Mitgliederversammlung überzeugte Prof. Dr. Dieter Jütting (Münster) in seinem Vortrag „Die Hasenheide – Wiege des Vereinssports“ mit der These, dass das Moderne des Turnens in den Jahren nach 1811 letztlich Grundlage für die heutige Ausprägung von Turnen und Sport war. In diese Richtung zielte auch Dr. Josef Ulfkotte mit seinen Ausführungen zur Eröffnung der DTB-Ausstellung „In Bewegung – 200 Jahre Turnen“ in der Jahn-Ehrenhalle.

Die Jahresversammlung der 420 Mitglieder umfassenden Jahn-Gesellschaft blickte insbesondere auf das Mitwirken bei der sehr gelungenen Feierstunde Mitte Juni am Jahn-Denkmal in der Berliner Hasenheide zurück. Als richtungweisend kann der Beschluss eingestuft werden, eine Jugendvertretung im Präsidium der Jahn-Gesellschaft zu verankern. Oliver Snelinski, der Vorsitzende der Deutschen Turnerjugend (DTJ), wird diese Aufgabe zumindest bis zu den Neuwahlen der Jahn-Gesellschaft in 2012 wahrnehmen.

Hansgeorg Kling feiert 75. Geburtstag

Hansgeorg Kling

Hansgeorg, Präsident der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft und Ehrenmitglied des Hessischen Turnverbandes vollendet am 19. Mai sein 75. Lebensjahr.

Die aktive und theoretische Auseinandersetzung mit dem Turnen kann man als das Lebenswerk des Jubilars bezeichnen und hier besonders die Themen: Turn- und Vereinskultur, Geschichte und Traditionspflege des Turnens, Turnfeste, die Zukunftsfähigkeit der Turnvereine, aber auch solche Aufgabenfelder, wie Führungsverhalten, Personalentwicklung, Politikfähigkeit und Öffentlichkeitsarbeit. Wer mit Hansgeorg Kling zusammen arbeiten durfte, der erlebte einen hochaktiven und vielseitigen Weggefährten, der führend die Entwicklung des Turnens und auch der Vereinskultur erfolgreich voranbrachte und noch immer voranbringt.

Hansgeorg Kling studierte von 1956-1962 die Fächer Germanistik, Geografie und Politik im Lehramt an den Universitäten Marburg und Wien. Von 1964-2000 war er als Gymnasiallehrer und Studiendirektor (1990) an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel, seinem Heimatort, tätig.

Schon im Kindesalter wurde er Mitglied der Abteilung Leichtathletik im KSV Hessen. 1963 wurde er in sein erstes Ehrenamt als Leichtathletikwart des Turngaus Fulda-Eder gewählt. Bedeutungsvoll war sein Wirken als Mitglied der Kontaktkommission des Hessischen Kultusministeriums in der Funktion des Schulsportbeauftragten  des Hessischen Leichtathletikverbandes in der Zeit von 1970 bis 1989.

Hansgeorg Kling war in weiteren wichtigen Funktionen tätig, so als Vorsitzender des Akademischen Turnbundes (1977-1985), als Bundeskultur- und Pressewart im Präsidium des Deutschen Turner-Bundes (1986-1990),  als Mitglied des Landesausschusses Ausbildung sowie des Vorstandes des Bildungswerks im LSB Hessen (1984-2000) und als Vizepräsident des Hessischen Turnverbandes (1992-2008).

In zahlreichen Publikationen hat er die Ergebnisse seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Turngeschichte und Vereinskultur niedergelegt, so u.a. Fest und Feier im Verein (Pohl-Verlag, 3. Auflage 1990; Das schwarze Prinzip in der Festschrift „100 Jahre ATB“ (1983); Vereinskultur (DTB, 1994), Der ATB und das deutsche Turnen in der Festschrift „125 Jahre ATB“ (2008) und Jahns Bedeutung für die Turnbewegung in Eckartschrift 191 (2008).

Hansgeorg Kling ist seit 2006 Vorsitzender des Fördervereins zur Traditionspflege und Erhaltung der Jahn-Gedenkstätten und nun Präsident der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft mit Sitz in Freyburg (Unstrut).

Die Verdienste des Jubilars wurden hoch geehrt mit der Walter-Kolb-Plakette (1985) und der Ehrenurkunde mit Goldener Ehrennadel des DTB (2006), mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen (2003) mit dem Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens (2006) und der Ehrenmitgliedschaft des HTV sowie des Turngaus Nordhessen.

Zu Vervollständigung muss aber auch erwähnt werden, dass Hansgeorg Kling leidenschaftlicher Kletterer (Dachstein Südwand, Matterhorn und Weißhorn) und Skilangläufer ist, dass er 2010 zum 35. Mal das Goldene Sportabzeichen abgelegt hat und dass er seit 1985 Vorstandsmitglied und seit 1992 Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Kassel/Nordhessen ist.

Hansgeorg Kling ist seit 1964 verheiratet und hat zwei Töchter sowie vier Enkelkinder.

Mitteldeutsches Gasunternehmen fördert Fassadenrenovierung des Freyburger Jahnmuseums

Hansgeorg Kling dankt der MITGAS - Sprecherin

Am 11. April 2011 übergab die Pressesprecherin des Unternehmens MITGAS, Frau Sommerfeld, im Auftrag des Vorstandes einen Scheck in Höhe von 4.000 € an den Präsidenten der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft, Hansgeorg Kling.

Frau Sommerfeld begründete die Unterstützung durch das Unternehmen, weil es davon überzeugt ist, dass das Jahnmuseum einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung eines nationalen Geschichtsbewusstseins und der historischen Würdigung der von Friedrich Ludwig Jahn initiierten Turnbewegung leistet und weil es zur Erhaltung der Freyburger Jahn-Gedenkstätten beitragen möchte.

Der Kontakt zu MITGAS war vom Vizepräsidenten der Gesellschaft und Vorsitzenden des Freyburger Heimatvereins, Martin Bertling (rechts im Bild), hergestellt worden.

Hansgeorg Kling bedankte sich mit herzlichen Worten und verwies darauf, dass die Jahn-Gesellschaft ein entsprechendes Projekt initiiert hatte, weil sich die Stadt Freyburg finanziell nicht in der Lage sah, einen Eigenanteil in Höhe von 20 % zu erbringen. Die restlichen Mittel werden von der Denkmalförderung zur Verfügung gestellt, so dass nun der Auftrag ausgelöst werden kann.

Mit der Fassadenrenovierung noch im Jahr 2011 wird auch ein Beitrag zur Würdigung des 200-jährigen Jubiläums der Eröffnung des ersten öffentlichen Turnplatzes auf der Berliner Hasenheide geleistet, zumal das Jahn-Museum und somit auch Freyburg verstärkt im Fokus des Interesses anlässlich der Jubiläums-Feierlichkeiten stehen wird.

Wir gehen davon aus, dass sich das Jahn-Museum mit schmuckem äußerem Ansehen anlässlich des 89. Jahn-Turnfestes im August dieses Jahres präsentieren wird.

J. Leirich

Sonderausstellung im Freyburger Jahn-Museum

Prächtig gestaltete Ehrenurkunde (Quelle: Fundus Jahn-Museum)

Im Jahre 1811 wurde auf der Berliner Hasenheide der erste öffentliche Turnplatz durch Friedrich Ludwig Jahn gegründet. Das ist Anlass für eine Sonderausstellung mit dem Thema:

Prächtige Erinnerungen – Turngeschichte in Grafiken

Die deutsche Turnbewegung wird in diesem Jahr zweihundert Jahre alt. Ein wichtiger Abschnitt war die Zeit zwischen 1860 und 1914, in der sie einen enormen Aufschwung erlebte.
Aus diesem Zeitraum besitzt das Jahn-Museum großformatige, meist farbige Erinnerungsblätter und Urkunden, von denen es hier eine Auswahl zeigt. In ihnen spiegeln sich wichtige Ereignisse wie Turnfeste oder Jubiläen, aber auch die turnerischen Aktivitäten selbst. Sie vermitteln einen Eindruck von der Tradition und dem Selbstverständnis der Turnbewegung und sind interessante Zeugnisse für den Stil und die künstlerische Gestaltung in dieser Zeit.
Die Ausstellung war bereits im Herbst 2010 zu sehen und wird nun anlässlich des Turn-Jubiläums nochmals gezeigt. Sie ist bis Juli 2011 geöffnet.
Weitere Informationen unter www.jahn-museum.de

Vor 150 Jahren: Das erste deutsche Turn- und Jugendfest 1860 zu Coburg

Als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1842 die von seinem Vater rund 20 Jahre zuvor verhängte „Turnsperre“ aufhob, bildeten sich in schneller Folge zahlreiche Männer-Turnvereine. Viele von ihnen fielen nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 der staatlichen Repressionspolitik zum Opfer. So retteten sich am Ende nur etwa 100 Vereine über die Jahrhundertmitte.

Ende der 1850er Jahre erweckten vor allem die enormen ökonomischen und technischen Verbesserungen der Kommunikations- und Verkehrsmittel (Ausbau des Eisenbahn- und Telegraphensystems) die liberale und nationale Bewegung in Deutschland zu neuem Leben. Immer stärker wurde der Wunsch nach „Einheit“ und „Freiheit“.

Im Februar 1860 wendeten sich die beiden damals 34jährigen schwäbischen Turnlehrer Carl Kallenberg aus Stuttgart und Theodor Georgii aus Esslingen mit ihrem „Ruf zur Sammlung“ in der „Deutschen Turn-Zeitung“ an alle Turner in Deutschland: Sie sollten an einem „allgemeinen deutschen Turn- und Jugendfest“ teilnehmen, das in einer Stadt Mitteldeutschlands stattfinden sollte. Coburg war dazu bereit.

Mitte Juni bereitete dann die damals etwa 10.000 Einwohner zählende Stadt den Turnern einen begeisternden Empfang, vor allem in den deutschen Farben schwarz-rot-gold. Mehr als 1.200 Turner wurden frei untergebracht. Die „Einzeichnungsliste“ wies 139 Gemeinden und Städte aus allen Teilen Deutschlands aus.

Nachdem sich die Turner am frühen Sonntag-Nachmittag auf dem Schlossplatz versammelt hatten, setzte sich der Festzug durch das Spalier der Coburger zum Turnplatz in Bewegung. Die turnerischen Darbietungen demonstrierten die Vielseitigkeit des Turnens. Etwa 50 Riegen gingen zum Vereinsturnen an die Geräte (Reck, Pferd, Barren, Kletterstangen). Neben dem Turnen an Geräten standen noch Vorführungen im Hochsprung, Fechten und Ringen auf dem Programm. Eine Wanderung führte nach Callenberg und Rosenau.

Das Coburger „Turn- und Jugendfest“ fand nicht nur unter den Turnern, in der Presse und in der Öffentlichkeit eine insgesamt große Aufmerksamkeit, sondern auch bei Regierungen und Behörden. Selbst die Polizei hatte an diesem Fest nichts auszusetzen. So bildete der „Ruf zur Sammlung“ den Auftakt zur Neuformierung der Turnvereinsbewegung, die sich nach 1860 Bahn brach, und so war Coburg mit seinem Bekenntnis zur deutschen Einheit und zur Schaffung einer nationalen Turnorganisation Ausgangspunkt für die Gründung der „Deutschen Turnerschaft“, die beim 4. Turntag am 21. Juli 1868 in Weimar erfolgte.

Dr. Josef Ulfkotte

(Pressedienst der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft)

Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft tagte anlässlich des 87. Jahn-Turnfestes in Freyburg

Vom 21.- 23. August 2009 trafen sich wieder über 1200 Turnerinnen und Turner in Freyburg (Unstrut) zum traditionellen 87. Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfest, unter ihnen auch  die Mitglieder der Jahn-Gesellschaft, die ihre Mitgliederversammlung in der voll besetzten Jahn-Ehrenhalle abhielten. Das Turnfest begann mit der Eröffnung der Sonderausstellung zur Geschichte der Symbolik des Turnens von Gerd Steins (Berlin), die erstmals anlässlich des Internationalen Deutschen Turnfestes in Frankfurt gezeigt worden war. Dann folgte die feierliche Jahn-Ehrung mit Kranzniederlegung an der Erinnerungsturnhalle. Der Deutsche Turner-Bund war vertreten durch die Vizepräsidenten Dr. Annette Hofmann und Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke, der auch den Festvortrag hielt zum Thema: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Die Impulse von ‚Bruder Jahn‘ für die Vereinsbewegung in Deutschland.“

Es folgten der Bericht des Präsidenten, Hansgeorg Kling, und die Regularien. In einer angeregten Diskussion wurden viele Vorschläge für die weitere Arbeit der Gesellschaft gemacht, und es fand eine kritische Auseinandersetzung zur Zählweise der Deutschen Turnfeste auf der Grundlage des Artikels von Hansgeorg Kling im Jahn-Report (Ausgabe 28) statt. Mitglieder aus den neuen Bundesländern beklagten die Nichtanerkennung der Turn- und Sportfeste des DTSB der DDR als Deutsche Turnfeste und sahen darin eine Zurücksetzung ihres Engagements für die Sache des Turnens in der DDR. Hansgeorg Kling bedauerte sehr, dass er mit seinem Beitrag die Gefühle ehemaliger Teilnehmer an den DDR-Turnfesten verletzt habe. Der Vorschlag von G. Steins, die Turnfeste den jeweiligen veranstaltenden Organisationen (DTB, DT, ATSB, DTSB) zuzuordnen und auf eine additive Zählung zu verzichten, fand Zustimmung, und der Präsident stellte abschließend fest: „Die Diskussion zeigt die spezifischen Ost-West-Erfahrungen bei der Beurteilung der Turngeschichte auch in unserer Jahn-Gesellschaft. Diese dürfen wir nicht zuschütten, sondern wir müssen sie mit gegenseitigem Respekt zur Kenntnis nehmen und in der weiteren Arbeit versuchen, sie im Sinne von Kompromissen zu überwinden. Es geht um das Wesen der jeweiligen Turnfeste und deren Einordnung in die Geschichte der Deutschen Turnbewegung.“

J. Leirich

Walter Müller auf den Spuren von Turnvater Jahn: Medaillen, Abzeichen und Plaketten

Dr. Walter Müller eröffnete Sonderausstellung

Die Erinnerungsstücke aus Silber, Bronze, Kupfer, Zinn, Aluminium, Porzellan, Holz oder Pappe - insgesamt mehr als 500 an der Zahl - stammen aus der Sammlung von Walter Müller aus Halle. Sie werden noch bis zum 1. November 2009 im Museum Petersberg gezeigt und reflektieren Wirken und Rezeption von Friedrich Ludwig Jahn.
Der Historiker Dr. Walter Müller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) widmet sich seit langem der Jahn-Erbeforschung. Die Herausforderung dazu ergab sich für ihn aus der Widersprüchlichkeit von Friedrich Ludwig Jahn. Warum ausgerechnet Jahn so vielfältig abgebildet ist, erklärt Walter Müller so: "Bleibend ist sein Wirken als Turnvater, der den Sport unter das Volk gebracht hat." Ursprünglich hatte der Sammler mit maximal 70 Medaillen, Abzeichen und Plaketten gerechnet; inzwischen geht er von der zehnfachen Menge aus. Der Forscher bereitet deshalb eine Bibliografie der numismatischen Jahn-Erinnerungsstücke vor. Nahezu 150 Exemplare präsentiert Müller aus dem Jahren 1863 bis 1890, 120 Stücke aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1945. Auch danach bricht die Jahn-Verehrung nicht ab, wie noch einmal 150 Exemplare aus Ost und West belegen. Auffällig ist für ihn, dass vor allem in der frühen DDR vorzugsweise der junge Jahn, im Westen Deutschlands häufiger der alte Jahn abgebildet worden sei.
Quelle: Ralf Böhme in MZ v. 28.9.2009