Neue Publikation über Friedrich Ludwig Jahn von Hans-Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte

Die Zeitspanne zwischen Friedrich Ludwig Jahns Verhaftung im Jahre 1819 und seinem Tod im Jahre 1852 wird von der biografiegeschichtlichen Forschung bislang stiefmütterlich behandelt.

Die vorliegende Untersuchung versucht zu klären, ob Jahn nach seiner Verbannung aus dem öffentlichen Leben, nach Haft und jahrelanger polizeilicher Überwachung, bis zu seiner Wahl zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848 tatsächlich im Abseits stand. Seine Rolle in der Männerturnvereinsbewegung  der 1840er Jahre wird ebenso kritisch reflektiert wie seine Arbeit im Paulskirchenparlament.  Die Darstellung, in der auch Zeitgenossen Jahns zu Wort kommen, wird mit einem Kapitel über den „Antisemiten“ und „Franzosenfresser“ Jahn eingeleitet.

Hans-Joachim Bartmuß war Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte des Mittelalters an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.  Josef Ulfkotte ist Studiendirektor am Gymnasium Petrinum in Dorsten. Beide gehören dem Präsidium der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft an.

Das Buch ist soeben im Böhlau-Verlag erschienen (www.boehlau-verlag.com).  

[Jahn-Pressedienst] – www.jahn-gesellschaft.de

Buchbesprechung

Ulfkotte, Josef:

Briefe von Friedrich Ludwig und Emilie Jahn an Wilhelm Lübeck 1835 – 1876.

 

Mit der jetzt vorgelegten Veröffentlichung über den „späten“ Jahn schließt die Jahn-Forschung erneut eine Lücke:  Die Jahre nach 1819, also nach der wirkungsmächtigsten Zeitspanne seines Lebens in Berlin (1809 bis 1819) und nach der Festsetzung Jahns („Turnsperre“), galten bisher als vermeintlich ungeschichtlich und umrissen das Bild eines unpolitischen und öffentlich nicht mehr wirksamen „Turnvaters“.

Dr. Josef Ulfkotte, Präsidiumsmitglied der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft, liefert jetzt den Nachweis, dass es sich bei der zweiten Lebenshälfte, die Jahn in Freyburg verbrachte, um Jahre handelt, in denen er durchaus für die weitere  Ausbreitung des Turnens wirkte und in denen er umfangreiche Kontakte pflegte, die seine Einstufung als einen erfolgreichen Netzwerker rechtfertigen.

Die vorliegende Quellenedition vereinigt alle in der Berliner Göritz-Lübeck-Stiftung aufbewahrten Briefe von Friedrich Ludwig Jahn und seiner zweiten Ehefrau Emilie an Wilhelm Lübeck. Der Briefwechsel setzt 1835 ein und reicht bis 1876, das Todesjahr Emilies. Es handelt sich um 189 Schreiben, von denen 59 aus der Zeit nach Jahns Tod am 15. Oktober 1852 stammen.

Der 1809 geborene Wilhelm Lübeck, Schüler Ernst Eiselens, hatte für das Weiterbetreiben des Turnens in den Jahren der „Turnsperre“ dadurch besondere Bedeutung, dass er in Berlin viel für das nicht öffentliche Turnen leistete (entscheidend war ja, dass das 1819 als staatsgefährlich verbotene Turnen nicht für politische Zwecke instrumentalisiert wurde): In Kooperation mit den Behörden gab es nicht nur Privat-Turnanstalten, sondern auch einen von der Regierung gewollten und geförderten Turnunterricht in den Schulen. Das sind Aktivitäten, bei deren Verfolgen Lübeck seit 1829 ein wichtige Rolle spielte; sowohl als Turnlehrer und als einer, der selbst Turnlehrer ausbildete, auch als derjenige, der 1843 das „Lehr- und Handbuch der deutschen Turnkunst“ veröffentlichte; er starb 1879 in Bad Freienwalde.

All dies verfolgte Jahn aus der Ferne intensiv. Seine Briefe dokumentieren das. Wobei er Lübeck nicht nur fachlich unterstützte und zahllose Anregungen gab, sondern ihn auch nutzte, in Berlin sein Netzwerk auszubauen; zudem war Freyburg eine beliebte Anlaufstelle für Turnfahrten und für den Besuch von Freunden.

Es ist das Verdienst Josef Ulfkottes, dass er in jahrelanger Arbeit (hauptberuflich ist das Mitglied des Präsidiums der Jahn-Gesellschaft Gymnasiallehrer) wichtige Nachlassteile jetzt zugänglich macht und so weitere Forschungen ermöglicht. Nicht nur für die biographisch angelegte Jahnforschung und für die Turngeschichte dürfte diese Quellenedition von großem Nutzen sein, sondern auch für bestimmte historische Teildisziplinen wie die Alltagsgeschichte.

Der 248-Seiten-Band zeichnet sich auch durch die ausführliche Einleitung (30 Seiten), die vier Seiten Abbildungen und das siebenseitige Personenregister aus.

Hansgeorg Kling

Ulfkotte, Josef: Briefe von Friedrich Ludwig und Emilie Jahn an Wilhelm Lübeck 1835 – 1876. Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2010.

(Das Buch ist über Libri  im Buchhandel und im Internet für 18 Euro bestellbar und auch bei Amazon gelistet. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nimmt keine Bestellungen an.)

Pressedienst der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft