 - Heidi Aguilar
 - Jens Ohle
 - NTB - Showgruppe
Die Sprache von Körpern und der körperliche Ausdruck spielten bei jeder Feuerwerk der Turnkunst Tournee bislang eine entscheidende Rolle. Jedes Mal haben die Turner, Akrobaten und Gymnasten durch ihre unnachahmliche Gabe, ihre begnadeten Körper im weiten Rund der Arenen in Szene zu setzen, das Publikum in ihren Bann gezogen. Bei der nunmehr 23. Auflage wird die beliebte Tournee unter dem Titel „Body Talk“ jedoch zum ersten Mal im wörtlichen Sinne „verkörpert“.
Es sind die Gegensätze zwischen Tempo und Ruhe, zwischen Kraft und Leichtigkeit, zwischen Wort und Ausstrahlung, die „Body Talk“ zu einer außergewöhnlichen Show machen, zu einer Show, die sich um Gefühle dreht, die mit Bewegung ausgedrückt werden, um Augen, die sprechen sowie um Mimik und Gestik, die Geschichten erzählen. Das Produktionsteam um Wolfram Wehr-Reinhold, Sandra Fritsch und Regisseurin Heidi Aguilar sah sich bei den Vorbereitungen vor die Herausforderung gestellt, die ohnehin körperbetonte Show zu einer Show der Körper werden zu lassen. Ob Tumblingbahn, Reck oder Boden, ob Comedian, Tanz oder Akrobatik – das Motto „Body Talk“ ist alles und nichts, ist allgegenwärtig und gleichzeitig außergewöhnlich.
„Jede Faser deines Körpers kann mir sagen, wer du bist…“
„Da sind überall kraftvolle und energiegeladene Körper“, sagt Regisseurin Heidi Aguilar, wenn sie an den Show-Beginn denkt – einen Auftakt, den die Zuschauer des Feuerwerk der Turnkunst in dieser Form noch nicht erlebt haben. „Es ist ein ausgesprochen schneller Einstieg, man ist bereits nach kurzer Zeit vollständig in die Show einbezogen. Das eigentliche Opening erfolgt erst, wenn die ersten Körper schon gesprochen haben“, verrät die Regisseurin. Und genau darum geht es bei „Body Talk“: um Bewegung, um den körperlichen Ausdruck von Gefühlen, um „sprechende Körper“ – Mimik, Gestik, Kraft und Energie. „Mein Wort beutet dir nur Schall und Rauch, doch meinen Körper wirst Du reden sehen“, lautet denn auch eine Textzeile des Titelsongs. Das gesprochene Wort ist beim diesjährigen Feuerwerk der Turnkunst jedoch eher zweitrangig. Stattdessen erzählt der Körper Geschichten, interpretiert sie und setzt Musik in Geschichten um. Dies versuchen die Turner des National Danish Performance Teams im wahrsten Sinne des Wortes: Mit Noten auf den Trikots interpretieren sie den gespielten Song und turnen diesen von einem Dirigenten angeleitet auf der Tumblingbahn – rasant, ungewöhnlich und eigenwillig.
Neu in diesem Jahr ist eine Figur, die geschaffen wurde, um eine Verbindung zwischen dem Publikum und dem Programm herzustellen. Jens Ohle ist gewissermaßen „Sonderbeauftragter für ‚Body Talk’“. „Allerdings ist er eher der ‚Talk’ als der ‚Body’“, sagt Heidi Aguilar und meint damit, dass Jens Ohle die einzige Figur der Show ist, die sich verbal ausdrückt.
Die Kunst, mit dem Körper zu sprechen und ihn nicht allein zu Höchstleistungen an einem Turngerät zu bringen, stellt eine Herausforderung für die Bundesligaturner des Niedersächsischen Turnteams dar. „Das ist letztlich der Spagat, den wir zwischen dem Leistungssport und der Show machen“, erklärt Heidi Aguilar. Klassische Musik wird von den Turnern interpretiert; dabei treten sie über ihre spielerisch präsentierte Leistung mit dem Publikum in einen Dialog.
„…in jeder Ader fließen Worte und dein Herz schlägt, so dass du sprichst“
Doch das Feuerwerk wäre nicht das Feuerwerk, wenn nicht auch Darbietungen einen Platz im Programm fänden, die sich der gefühlvollen und ruhigen Seite der Körperlichkeit widmen. Tänzerische Übergänge der NTB-Showgruppe und die wortlose Performance der bewährten KGB-Clowns schaffen eine Verbindung aus Energie und Leichtigkeit. Überall herrscht Kommunikation, ob in den Musikstücken oder in der Show des Ensembles. Auch Supertalent Dominic Lacasse beeindruckt mit einer sanften und dennoch kraftvoll anmutenden Vorführung. Und selbst Formationen erzählen Geschichten ohne Worte, dafür einfühlsam und voller Herzenswärme. Und was könnte besser ohne Worte ausgedrückt werden als das Thema Liebe…? Nicht zuletzt deshalb wird wohl nicht zuviel versprochen, wenn es heißt: „Meinen Körper wirst du reden sehen“. Hintergrundstory - Interview mit Fabian Sievers
Das Feuerwerk der Turnkunst ist eine Mischung aus Turnen, Tanz und Akrobatik. Einzigartig wird die Show darüber hinaus durch ein gefühlvolles und exaktes Arrangement aus Musik und Licht. Der Hannoveraner Fabian Sievers komponiert nicht nur seit drei Jahren den Titelsong für das Feuerwerk, sondern ist auch während der „Body Talk Tournee 2010“ wieder für das Lichtdesign verantwortlich.
Fabian, man sagt, Sie seien der kreativ technische Kopf im Hintergrund, der die Show rund macht. Woran liegt das?
Die kreativen Köpfe sind in erster Linie Choreografin und Regisseurin Heidi Aguilar sowie Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold und Organisationsleiterin Sandra Fritsch. Meine Arbeit besteht vor allem darin, mit Hilfe ausgefeilter Licht- und Musikkompositionen der Show eine emotionale Richtung zu geben. Unsere Regisseurin hat ihre Vorführungen im Kopf und sagt dann „ich brauch Musik für dies oder jenes“ und ich setze das dann um. Ich habe das Glück, dass das, was mir einfällt, auch den anderen gefällt.
Wie entsteht eine Show aus Licht, Musik und den einzelnen Vorführungen?
Es beginnt mit dem Thema. Für Licht und Musik und das ganze Drumherum gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Manchmal gibt es zuerst die Musik, nach der eine Nummer gebaut wird. Die Musik bestimmt dann, was für ein Licht dazugehört und wie die Lichtbilder aussehen müssen. Wenn ich das Licht „designe“, brauche ich den optischen und den musikalischen Input. Licht zu komponieren, ohne die Musik zu kennen, ohne gesehen zu haben, was da passiert, das geht nicht. Musik und Licht machen fast 50 Prozent der Nummer aus. Insofern kann man das überhaupt nicht voneinander trennen.
Was ist in Ihren Augen das Besondere an der Turnshow?
Dass es einerseits hochkarätige Weltklasse-Vorführungen sind und andererseits die Vorführungen der regionalen Vereinsgruppen sowie der NTB-Showgruppe. Das zusammen ergibt eine unglaublich charmante Mischung.
Die Show ist durch die unterschiedlichen Lokalgruppen in jeder Stadt etwas anders. Wie gehen Sie darauf ein?
Die lokalen Gruppen treten immer zu Beginn der Show und zu Beginn der zweiten Hälfte auf, so dass sie nicht mitten in der Show mit eingebunden werden müssen. Sie bekommen das Thema vorher mitgeteilt und den zeitlichen Rahmen, wie lang die Nummer sein darf, welche Geräte und welcher Aufbau möglich sind. Die Musik suchen die Gruppen selbst aus und ich passe sie zusammen mit dem Licht ein.
Das Feuerwerk bekommt passend zur jeweiligen Tournee ein eigenes Lied. Wie entwickeln Sie diesen Titelsong?
Der Anfang entsteht bei mir im Kopf. Ich kann Musik hören, auch wenn keine läuft. Man fängt aus aufnahmetechnischen Gründen mit dem Rhythmus an und das Thema gibt die Richtung vor. Dass „hautnah“, der Titelsong der Tournee vor drei Jahren, kein Heavy Metal-Stück wird, das war vorgegeben und logisch. Meistens geht es mit einer Idee los, die ich schon seit längerem verfolge. Der Text ist immer ziemlich schwer. Aber er entsteht einfach, da gibt es keine Standard-Vorgehensweise.
Und dann kommt das Licht dazu...
Wenn ich Musik höre, kann ich dazu Licht sehen. Wenn ich ein Kostüm sehe oder wenn mir Heidi erzählt, wie sie sich eine Duo-Nummer vorstellt, dann höre oder sehe ich dazu etwas. Beim Licht ist es aber oft so, dass wir Effekte kreieren, die überhaupt nicht funktionieren, weil der Künstler sagt, dass er damit nicht zurechtkommt. Dann müssen die schönsten Scheinwerfer wieder aus, weil die ihn blenden.
Inwiefern unterscheidet sich die „Body Talk Tournee 2010“ von den bisherigen Feuerwerk-Shows?
Sie wird ganz anders beginnen, als das Feuerwerk-Publikum das gewöhnt ist. Es wird einen anderen Spannungsbogen geben, und ich bin neugierig darauf, wie der aufgenommen wird. Jede Show hat ihre eigene Magie und auf die Magie von „Body Talk“ bin ich sehr gespannt. Mein größter Wunsch ist, dass die Show funktioniert. Ich weiß ja schon, wie das Finale sein wird und denke, dass die Zuschauer am Ende dasitzen mit Tränen in den Augen und mit Gänsehaut.
Das Gespräch führte Heike Werner.
Kartenvorverkauf:
Ticket-Hotline: (0511) 9809798, Internet-Ticketservice: www.feuerwerkderturnkunst.de, famila-Warenhäuser sowie alle bekannten Vorverkaufsstellen
Titelsong „Body Talk“
Die CD mit dem Titelsong „Body Talk“ kann zum Start der Tournee ab 28.12.2009 jeweils im Foyer der Veranstaltungsorte sowie im Online-Shop unter www.NTB-Shop.de käuflich erworben werden. |