"Es frustriert mich schon sehr": Nils Dunkel und sein Jahr aus der Hölle

Von Fabian Wölfling, Mitteldeutsche Zeitung
Halle/MZ - Nils Dunkel wird immer wieder neu geprüft. Zwei ausgekugelte Finger, Schulterprobleme, eine Entzündung in der Hand. So liest sich sein Jahr 2026 bisher. Folge: „Nur anderthalb Monate“, überschlägt der Turn-Europameister vom SV Halle, „habe ich bisher voll trainieren können.“
An diesem Samstag steht die erste nationale Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Rotterdam (17. bis 25. Oktober) an. Für Dunkel sollte es ein kleiner Neubeginn sein. Aufgrund der Probleme mit der Hand musste er die EM in Zagreb absagen, wollte einen Start bei der WM nicht riskieren.
„Noch schreibe ich die WM nicht ab“
Vielleicht soll es in diesem Jahr aber einfach nicht sein, ist es nach dem Jahr des Goldes 2025 mit dem Europameistertitel in Leipzig am Barren nun das Jahr aus der Hölle. Dunkel wird am Samstag nicht turnen können. Er plagt sich mit einem Infekt herum, selbst Antibiotika haben nicht schnell genug angeschlagen. Die WM steht damit auf der Kippe. „Es frustriert mich schon sehr“, sagt der 29-Jährige.
Dunkel sieht sich als Kämpfer. „Ich will bei allen großen Events dabei sein, dafür mache ich meinen Sport“, sagt er. Der Hallenser denkt dabei nicht nur an sich, seine persönlichen Erfolge, sondern auch an die Nationalmannschaft. Nach den Rücktritten von Lukas Dauser und Andreas Toba muss sich die Auswahl neu finden, Dunkel soll mit Erfahrung und Klasse vorangehen. Bei der EM waren die deutschen Männer ohne Medaille geblieben, im Teamfinale stand der fünfte Platz.
Bundestrainer Jens Milbradt weiß um die Bedeutung von Dunkel, etwa an Pferd, Ringen und Barren, hält ihm auch jetzt die Tür offen. Anfang Oktober steht die zweite WM-Qualifikation an. Dann will Dunkel dabei sein, will nächste Woche wieder ins Training einsteigen, wenn die Medikamente endlich voll anschlagen. „Noch schreibe ich die WM nicht ab.“
Neuer Trainer für Nils Dunkel
Durch die immer neuen Probleme hat Dunkel seine Ziele schon angepasst, die Schwierigkeiten seiner Übungen reduziert. „Ich wollte mich auf Stabilität und Ausführung konzentrieren“, sagt er. Das macht er in Abstimmung mit Milbradt und Sven Sixtus, der als Heimtrainer in Halle von Hubert Brylok übernommen hat. Der hallesche Medaillenschmied ist inzwischen in Ruhestand. „Das funktioniert auch sehr gut, wir haben es lange vorbereitet“, sagt Dunkel.
Alle Pläne und Überlegungen sind aber wertlos, wenn der Körper nicht mitspielen will. Schon die Probleme mit der Hand stellten Dunkel vor eine Geduldsprobe. Er erzählt von vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Ärzten und Physiotherapeuten. Ein Durchbruch brachte erst gezielte Stärkung der Finger als Gegenpol der entzündeten Sehne. „Ich bin noch nicht komplett auskuriert, aber wieder bei 90 Prozent“, sagt er.
Die Zuversicht kehrte zurück, dann schlug der Infekt ein. „Ich lasse mich aber nicht unterkriegen“, betont Dunkel. Er denkt auch schon voraus. 2027 wird ein entscheidendes Jahr, dann geht es für die deutschen Turner um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Auch die anderen Hallenser haben Probleme
Nicht nur Nils Dunkel, sondern die ganze hallesche Trainingsgruppe erlebt bislang ein Jahr zum Vergessen. Nick Klessing wollte nach seinen anhaltenden Schulterproblemen ein Comeback geben. Neuerliche Probleme verhinderten das, bei der WM-Qualifikation kann der frühere WM-Finalist nicht antreten. Fehlen wird auch Anton Bulka. Der Vizemeister am Sprung von 2025 musste sich einer Operation an der Schulter unterziehen. Elias Jaffer ist bei der Qualifikation in Kienbaum dabei, turnt aber nur am Boden. Er arbeitet nach einer Operation an der Hand an seinem Comeback.




