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Abschied des Goldschmieds: So hat der Hallenser Hubert Brylok den Turnsport geprägt

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  • vor 20 Stunden
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56 Jahre lang bestimmte Turnen als Leistungssport das Leben von Hubert Brylok. (Foto: IMAGO/Schreyer)
56 Jahre lang bestimmte Turnen als Leistungssport das Leben von Hubert Brylok. (Foto: IMAGO/Schreyer)

Von Fabian Wölfling, Mitteldeutsche Zeitung


Halle/MZ - Ganz loslassen kann Hubert Brylok vom Sport seines Lebens nicht. Am 19. September, wenn sich Deutschlands beste Turner in Kienbaum zur nationalen WM-Qualifikation treffen, wird er dabei sein. Nur: Seine Rolle wird sich verändert haben. Der Mann, der 56 Jahre Leistungssport, 56 Jahre Turnen, hinter sich hat, wird nur zuschauen. Als Ruheständler.


Brylok sagt: „Die Turner sind mir doch alle ein bisschen ans Herz gewachsen. Das gebe ich unumwunden zu.“ Er meint damit nicht nur Nils Dunkel und Nick Klessing, sondern all die Auswahlturner, die er im Sommer nach der EM-Qualifikation noch einmal zu sich nach Halle zum Grillen in den Garten eingeladen hat.


Sportpolitik verhinderte Olympia-Teilnahme


„Menschlichkeit und Ehrlichkeit“, das sei ihm immer wichtig gewesen, sagt Brylok an einem seiner letzten Arbeitstage als Trainer. Fast 40 Jahre hat er Turner geformt, hat aus ihnen Spitzensportler gemacht,. Er war der Mann im Hintergrund und doch ist er untrennbar verbunden mit den größten Erfolgen, die das deutsche Männerturnen nach der Ära Fabian Hambüchens erreicht hat.


Seit dem 1. September ist er im Ruhestand. „Es war Zeit“, sagt Brylok. „56 Jahre Leistungssport haben ihre Spuren hinterlassen.“ Tage, in denen er selbst Salti und Schrauben durch die Luft drehte, liegen lange hinter ihm.


1960 in Schlesien geboren und als Spätaussiedler in Thüringen aufgewachsen, fand Brylok mit acht Jahren zum Turnen. Ein Nachbarssohn nahm ihn mit. Über seinen ersten Trainer „habe ich Feuer gefangen“, erzählt er. „Mich hat die Vielfältigkeit fasziniert, mit den sechs Geräten, das Koordinative, das durch die Luft fliegen.“


Mit zehn Jahren ging es an die Sportschule, mit 14 nach Halle. Den Zweifel besiegte er auf dem Weg mehrfach. „Ich war kein Naturtalent, steif wie ein Bock. Aber ich war schnell und koordinativ nicht schlecht.“ Brylok schaffte es sogar in die Nationalmannschaft und hinterließ Spuren in der Turngeschichte. Ein Element, das heute als Kovacs-Salto bekannt ist, hatte eigentlich der Hallenser erfunden. „Ich habe es vor ihm gemacht“, sagt Brylok. Nur konnte er es nicht international präsentieren. So kam ihm der Ungar zuvor.


1983 glänzte Brylok doch auf großer Bühne, gewann zwei Silbermedaillen bei der EM. Seine aktive Turnkarriere hätte er 1984 krönen können, wenn die DDR sich nicht dem Boykott der Sommerspiele in Los Angeles angeschlossen hätte. „Olympia war mein großes Ziel. Danach habe ich aufgehört, konnte mich nicht mehr motivieren.“


Aus Brylok hätte nach der Zeit als aktiver Sportler ein Journalist werden können, er hatte ein entsprechendes Studium parallel zum Leistungssport begonnen. Es kam aber das Veto der Universität Leipzig. „Dort hieß es, Leistungssport und Journalismus ließen sich nicht vereinbaren.“ So kam Brylok mit 27 Jahren zum Trainerberuf. Der Vater dreier Söhne aus zwei Beziehungen arbeitete 30 Jahre lang im Nachwuchs, formte Turner wie Oliver Walther, deutscher Mehrkampfmeister von 1993, oder Matthias Fahrig, Europameister am Boden und Olympiateilnehmer.


Mit Nick Klessing kam er im Seniorenbereich an, weil er das Talent bereits im Nachwuchs betreut hatte und in Halle eine Vakanz bestand. Brylok führte den Spezialisten an den Ringen zu Meistertiteln, bis in ein WM-Finale. 2020 stießen aus Berlin mit Lukas Dauser und Nils Dunkel zwei weitere deutsche Topturner zu ihm nach Halle – „Hubis Bubis“ waren geboren.


Gold bei der WM und bei der EM


Mit Bryolk an der Seite gewann Dauser Silber bei der WM 2022 und bei Olympia 2021, Gold bei der WM 2023. Dunkel triumphierte bei der EM 2025, sicherte sich zudem Bronze bei der EM 2022. „Seine menschliche Art ist einmalig. Ich habe noch keinen Trainer erlebt, der in brenzligen Situationen, wenn der Druck am größten ist, so ein Fingerspitzengefühl für Athleten hat, wie er“, sagte Weltmeister Dauser mal über Hubert Brylok, der es als Trainer doch noch zu Olympia schaffte.


Der 66-Jährige hat die Arbeit in der Turnhalle genossen, auch wenn sie viel Idealismus erforderte. 60-, 70-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit, die Hälfte der Wochenenden war Brylok unterwegs, in Trainingslagern oder bei Wettkämpfen. „Ich fühle mich ein bisschen ausgebrannt“, sagt er.


Trotzdem: Als Kampfrichter will er dem Sport treu bleiben. Dazu Zeit für die Familie haben, an der eigenen Fitness arbeiten, „drei Kilo abspecken“, sagt Brylok. Auf die Couch zieht es ihn nicht.


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