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Erst Blackout, dann Schmerzen: Muss Europameister Nils Dunkel für die Turn-EM passen?

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  • vor 15 Stunden
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Nils Dunkel muss um die EM-Teilnahme bangen. (Foto: Objektfoto)
Nils Dunkel muss um die EM-Teilnahme bangen. (Foto: Objektfoto)

Von Fabian Wölfling, Mitteldeutsche Zeitung, 20.07.2026


Halle/MZ - Die Gedanken sind bei der Hand. Gezwickt hat sie schon länger, sagt Nils Dunkel. „So ist das als Turner.“ Da zwickt es häufig, an vielen Stellen. Der artistische Sport ist Hochbelastung für den Körper.


Unmittelbar vor den Deutschen Meisterschaften, die als Teil der Finals am Wochenende in Hannover ausgetragen werden, ist aus dem Zwicken ein heftiger Schmerz geworden. Zu groß für reguläres Training. „Ich habe an diesem Dienstag eine MRT-Untersuchung“, sagt Dunkel. „Erst danach weiß ich, was ich tun kann.“


Die Meisterschaften sind der dritte und letzte Teil der nationalen Qualifikation für die Turn-EM Mitte August in Zagreb. Dass Dunkel dort dabei sein wird, galt als sicher. Der Athlet des SV Halle ist schließlich Europameister, gewann letztes Jahr Gold am Barren. Dazu gilt der 29-Jährige als absolut zuverlässige Größe, ist auch am Pferd der national Stärkste, hat große Qualität an den Ringen.


Aber schon die ersten zwei Teile der nationalen Qualifikation – ausgetragen als Heimspiel in Halle – verliefen überhaupt nicht nach Wunsch. Gleich am ersten Tag erlebte Dunkel, der schon so viele Wettkämpfe gesehen und gemeistert hat, etwas, das er noch nie erlebte: Orientierungslosigkeit am Gerät. Hochgefährlich.


Beim Sprung ereilte den gebürtigen Erfurter der Aussetzer. Dunkel wirbelte zwar durch die Luft, landete aber unsanft auf dem Boden und berichtete später am MDR-Mikrofon, dass „ich ins Brett reingesprungen und im Sitzen wieder aufgewacht bin. Ich weiß überhaupt nicht, was in der Luft passiert ist.“ Der zweimalige Olympiateilnehmer zeigte sich anschließend froh, ohne eine Verletzung davongekommen zu sein.


Er versuchte, den Wettkampf fortzusetzen, konnte es aber nicht. Nach einer halben Übung am Barren brach Dunkel die erste Qualifikation ab. „Es war die Angst da, dass es nochmal passiert“, erklärt er in der Rückschau. Das Verletzungsrisiko war für ihn zu groß.

2021 hatte Simone Biles, die Ausnahmeturnerin, auf der größten Bühne einen ähnlichen Blackout. Sie erlebte bei den Olympischen Spielen in Tokio „Twisties“, verlor wie Dunkel jetzt in der Luft die Orientierung. Biles zog sich aus dem Teamfinale zurück, absolvierte bis auf den Schwebebalken keine Einzelfinals. Es zeigte, wie sehr die Psyche das Hochleistungsturnen beeinflussen kann.


Nils Dunkel turnt seit zehn Jahren auf höchstem Niveau, die Orientierungslosigkeit „ist mir so noch nie passiert“, sagt er. Der Hallenser arbeitete am Tag nach dem Wettkampf mit einem Sportpsychologen das Erlebte auf. „Wir haben gesagt, es macht keinen Sinn, nach den Gründen zu suchen, weil es den einen Grund nicht gibt“, sagt Dunkel. Stattdessen versuchten sie, das Vertrauen zurückzugewinnen. Der Europameister machte dafür auch Orientierungsschulungen, absolvierte etwa einen Abgang am Reck mit Salti.


Es half, um beim zweiten Teil der EM-Qualifikation in Halle antreten zu können. Die Übung am Reck konnte er aber nicht zu Ende turnen. Nach einem Fehler stieg er vom Gerät ab. „Ich war nicht in der Lage, weiter zu turnen.“ Es zeigte sich, dass die Ereignisse vom Samstag noch nachwirkten.


Chancen auf ein EM-Ticket hätte Dunkel dennoch. Seine Qualitäten am Barren, Pferd und Reck machen ihn wertvoll für das deutsche Team. Dazu hat er die meiste Erfahrung.

Die Schmerzen an der Hand sorgen nun aber für maximale Ungewissheit. Dunkel will in Hannover starten, so sagte er es vor der MRT-Untersuchung. An allen Geräten? Mit maximaler Leistungsfähigkeit? Praktisch ausgeschlossen.


Denkbar sogar, dass er einen Start bei den Finals und auch bei der EM absagen muss, wenn sich zeigt, dass die Probleme an der Hand zu gravierend sind.


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