Karriereende? Deshalb greift Turner Nick Klessing neu an
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von Fabian Wölfling, Mitteldeutsche Zeitung
Halle/MZ - 18 Monate hat Nick Klessing gezählt. 18 lange Monate ohne einen Abgang von seinem Lieblingsgerät, den Ringen. Im Sommer 2024 hatte sich der Turner des SV Halle den Schmerzen in der Schulter beugen müssen. Er musste sich damit von seinem Olympiatraum verabschieden. Monate der Ungewissheit folgten, es folgte eine Operation. Die Frage stand im Raum: War es das?
Nein, das war es nicht. Mitte Januar veröffentlichte Klessing über die Sozialen Netzwerke ein Video, das die Frage beantwortete. Es zeigte den 28-Jährigen beim Training an den Ringen, kraftvoll, dynamisch. „Schaut mal, wer auf dem Weg zurück ist“, schrieb er dazu.
„Mir geht es körperlich sehr gut“, sagt Klessing jetzt, Mitte Februar. „Die Schulter fühlt sich so gut an, wie lange nicht mehr. Es macht wieder Spaß, wenn du nicht bei jeder Bewegung Schmerzen spürst.“
Die linke Schulter, seine Schwachstelle, hatte den gebürtigen Sachsen wiederholt ausgebremst, ihm seit mehr als zehn Jahren immer wieder Probleme gemacht. Am Ende begleiteten ihn täglich Schmerzen, bei jeder Bewegung. Auch im Alltag.
Eine Operation, durchgeführt von einem Spezialisten in Leipzig im April 2025, brachte den Durchbruch. Der Chirurg befestigte die Bizepssehne, entfernte einen Schleimbeutel. Nach einer Phase der Ungewissheit, sechs Wochen hatte Klessing seinen Arm in der Schlinge, zeigte sich: Die Schmerzen in der Schulter sind weg.
Und Klessing, Vater eines Sohnes und ausgebildeter Polizeikommissar, will es noch einmal wissen. Er will noch einmal zurück auf die große Turnbühne. Auch an seinem Paradegerät. An den Ringen war er Junioren-Europameister, erreichte 2019 das WM-Finale in Stuttgart. „Ich bin voll im Aufbautraining. Es soll wieder vorwärtsgehen.“
Klessing, mehrfacher Deutscher Meister und WM-Teilnehmer, 2021 auch Ersatzmann bei den Olympischen Spielen von Tokio, hat sich die Europameisterschaft in Zagreb (19. bis 23. August) als Ziel genommen. Er trainiert gezielt auf die EM-Qualifikation hin, deren erster Teil im Juli in Halle stattfinden wird. Dort, wo Klessing seit 2012 unter der Leitung von Hubert Brylok trainiert. „Das wird besonders.“
Wenn der Körper mitspielt, er gut trainieren kann, könnte er sich beim DTB-Pokal in Stuttgart im März erstmals wieder im Trikot mit dem Adler auf der Brust präsentieren und zeigen, dass er wieder einen Platz im deutschen Nationalteam verdient. Als der Deutsche Turnbund im Dezember die Kader für 2026 bekanntgab, tauchte Routinier Klessing nicht auf. Dabei hatte er sich in der Turn-Bundesliga durchgehend präsentiert, allerdings nicht an den Ringen. Mit dem KTV Straubenhardt gewann er den Titel, an der Seite seiner langjährigen Trainingspartner Lukas Dauser, der sich als Turner verabschiedet hat, und Nils Dunkel.
Auch jetzt will Klessing nicht mehr alle Geräte in Angriff nehmen. „Ich konzentriere mich auf Boden, Sprung und Ringe“, sagt er. Das sei mit dem Bundestrainer Jens Milbradt abgestimmt, schmälert nicht die Chancen auf die EM.
Gedanken an das Karriereende verschwendet Klessing gerade nicht mehr. Die EM hat er nicht als Abschiedsvorstellung auserkoren, sondern spricht auch von der WM im Oktober in Rotterdam.



